Von Stefan Voit | 24.10.2011| Oberpfalznetz Medienhaus DER NEUE TAG | Netzcode: 3013171

Weiden

Hommage an zwei inspirierende Künstler

Kunstverein Weiden würdigt Karl Aichinger mit einer Ausstellung und erinnert an Max Bresele

"Der Karl ruft - und alle kommen!" So könnte man knapp die Stimmung beschreiben, die am Freitag bei der Vernissage "Wir von hier" beim Weidener Kunstverein herrschte. Freunde, Bekannte, Kunstfans waren erschienen, um endlich wieder einmal Arbeiten von Karl Aichinger in seiner Heimatstadt zu sehen. Ausstellungsmacher Wolfgang Herzer, frisch gekürter Eon-Kulturpreis-Träger, freute sich über den zahlreichen Besuch. Er erinnert in der Ausstellung aber noch an ein weiteres Oberpfälzer Kunst-Urgestein: den 1998 verstorbenen Max Bresele aus Uckersdorf (Landkreis Schwandorf).

Von innen heraus

Der gebürtige Weidener Rundfunkjournalist Markus Mayer erinnerte in seiner Einführung an seine erste Begegnung mit dem Künstler Mitte der 1970-er Jahre: "Für Aichinger hat Musik schon immer eine große Rolle gespielt. Er hat sie nicht nur sehr ernst genommen, sondern von innen heraus gehört. Mit seinen Bildern hat er die Menschen zu einer Echtheit ermutigt."

Aichingers zum Teil großformatige Bilder strahlen voller Farbe und Leben. Sie zeigen einen Kosmos, der zwischen Himmel und Hölle hängt und sich in ständigem Austausch befindet. Manchmal meint man geradezu die Musik herauszuhören, die den Maler beeinflusst und inspiriert hat. An den Wänden entstehen unglaubliche Spannungen: Farbzonen überlagern sich, Prozesse der Dehnung, Weitung, Streckung und Verdichtung tun sich auf, verschlingen die Blicke des Betrachters und versetzen in "musikalische Psychozustände". Hier kann man regelrecht in Schwingung geraten und die Farb-Gewitter in der Natur spüren.

Nicht weniger beschwingend, künstlerisch verspielt und fantasievoll sind die Objektkästen von Max Bresele. Der Künstler, der sich völlig von der Konsumwelt verabschiedet hatte und als Einsiedler lebte, hat alles, was er fand und brauchen konnte, zu Kunstwerken verarbeitet. Zwischen Jahrmarktbildern und stillgelegten Spielautomaten, selbst geknüpften Teppichen und Depressionskarren, biblischen Comic-Szenen und afrikanischem Stillleben mit Zebra und Handsäge springen die skurrilen Kästen hin und her. Da bleibt extrem viel Raum für Deutung und Bedeutung, für Wunsch und Wirklichkeit.

Denk- und Suchbilder

Zwischen festgenagelten Frauenschuhen blitzt ein Selbstporträt des Künstlers hervor, Katze und Hund sagen sich gute Nacht, ausgeschlachtete Computer- und Motorteile warten darauf, wieder angeschmissen zu werden. So schließt sich zwischen beiden Künstlern der Kreis in einer eigenen, bodenständigen Denk- und Arbeitsweise, zwischen Farbspielereien und in Kasten gehängten Denk- und Suchbildern. "Wir von hier" ist ein Aushängeschild für zwei wichtige Vertreter der gegenwärtigen Kunst in der Region. Ein Galeriebesuch, der Freude macht und die Sinne anregt!